Hausarbeit liegt noch immer mehrheitlich bei den Frauen

Hausarbeit – Wie gleichberechtigt teilen sich Paare die Alltagsarbeit wirklich? Die aktuelle, bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie zeigt: Gerade in puncto Hausarbeit liegt der Löwenanteil noch immer bei den Frauen. Finanzen und Handwerkliches sind dagegen auch im 21. Jahrhundert tendenziell in Männerhand. Kinderbetreuung/Soziales und die Freizeitplanung teilen sich die Geschlechter immerhin in gut jeder zweiten Beziehung gleichberechtigt. Entscheidender Faktor für eine starke Ungleichverteilung scheint dabei die Familiengründung zu sein. Die repräsentative Befragung unter mehr als 4.000 Liierten zeigt auch: Wer wo mehr Arbeit übernimmt – darüber sind sich Frauen und Männer oft nicht einig. Beste Arbeitgeber Deutschlands 2020: Dm führt Top 10 an

„Das bisschen Haushalt …“ – macht noch immer meist die Frau

Von Kochen bis Aufräumen: Die klassische Hausarbeit, das zeigt die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie, liegt auch heute immer noch mehrheitlich bei den Frauen. 56 Prozent von ihnen geben an, sich in ihrer Beziehung allein oder überwiegend um Dinge wie Kochen, Einkaufen und Essensplanung zu kümmern. Geht es um das Thema Ordnung, also etwa Wäsche waschen, Aufräumen und Putzen, sagen sogar 65 Prozent der Frauen, dass sie sich allein oder überwiegend darum kümmern. Nur 38 Prozent (Versorgung) bzw. 31 Prozent (Ordnung) der Frauen finden, dass diese Arbeit in ihrer Beziehung gleichmäßig auf beide Partner verteilt ist. Männer sehen das allerdings ganz anders – und empfinden ihren eigenen Anteil als deutlich größer. Die Hälfte der Männer sieht die Arbeit im Bereich Versorgung gleichberechtigt verteilt (51 Prozent), im Bereich Ordnung meinen 40 Prozent, dass sie genauso viel leisten, wie ihre Partnerin. Jeder vierte liierte Mann sagt, er übernehme den Löwenanteil beim Thema Kochen, Einkaufen und Essensplanung (24 Prozent) – was allerdings nur sieben Prozent der Frauen bestätigen.

Hausarbeit
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Soziales, Kinderbetreuung und Pflege sind in gut jeder zweiten Beziehung gleichberechtigt verteilt

Im Bereich Soziales geht es dagegen etwas gleichberechtigter zu – auch wenn hier ebenfalls die Wahrnehmungen von Männern und Frauen auseinanderklaffen. Aber immerhin findet mit 56 Prozent der Frauen und 69 Prozent Männer je mehr als die Hälfte, dass die Arbeit im Bereich Kinderbetreuung, Pflege der Eltern und Kontakt zu Freunden gleich verteilt ist. Herrscht ein Ungleichgewicht, fallen die Aufgaben dann aber wieder an die Frau: Etwa jede vierte Frau sieht den Bereich vollständig oder überwiegend bei sich – nur zwölf Prozent der Männer geben an, hauptsächlich selbst dafür zuständig zu sein. Stromvergleicher -Haushalte in Deutschland zahlen 37,8 Milliarden Euro für Strom

Freizeitplanung ist zwar häufiger Frauensache – aber nicht die größte Baustelle

Urlaube, Wochenenden, Abendplanung – im Bereich Koordination sind die Aufgaben noch am ehesten gleichverteilt. Hier geht auch die Wahrnehmung von Frauen und Männern am wenigsten auseinander. 59 Prozent der Frauen und 67 Prozent der Männer geben an, dass sich beide gleichermaßen um diese Themen kümmern. Aber auch gut jede dritte Frau sieht diesen Bereich eher bei sich.

Umkämpfte Zuständigkeit bei den Finanzen: Beide Geschlechter sehen die Arbeit bei sich – Männer aber stärker

Unklarer ist die Situation im Bereich Finanzen. 57 Prozent der Männer geben an, sich allein oder überwiegend um Überweisungen, Steuererklärungen, Haushaltsbuch und Versicherungen zu kümmern. Nur jeder dritte Mann (34 Prozent) empfindet diese Arbeit als gleichmäßig verteilt. Frauen teilen diese Wahrnehmung aber nicht immer: Von ihnen glauben mit 43 Prozent deutlich mehr, dass die Aufgaben gleich verteilt sind. Und vier von zehn Frauen finden, dass sie sich selbstüberwiegend oder allein um die Finanzen kümmern – was allerdings nur neun Prozent der Männer bestätigen.

Hausarbeit
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Handwerken und Reparaturen: In den meisten Beziehungen muss der Mann ran

So modern viele liierte Frauen sich auch sehen mögen – sobald es darum geht, zur Flex oder zum Wagenheber zu greifen, schicken die meisten dann doch den Partner vor. Ganze 70 Prozent der Männer sagen, dass Handwerkliches wie Reparaturen, Arbeit an Auto oder Fahrrad und Gartenarbeit größtenteils bei ihnen liegen. Das Feld überlassen viele Frauen, anders als beim Thema Finanzen, offenbar bereitwillig ihrem Partner: Mehr als die Hälfte der Frauen gibt ganz offen zu, dass handwerkliche Arbeiten überwiegend oder ganz beim Partner liegen (55 Prozent). Jede dritte Frau empfindet den eigenen Anteil immerhin als gleichwertig (33 Prozent) – eine Sicht, die allerdings nur 25 Prozent der Männer teilen. Und nur elf Prozent der Frauen sehen die Zuständigkeit allein bei sich.

Vor allem die Familiengründung lässt die Gleichberechtigung kippen

Ein Blick auf die Altersgruppen zeigt: Jüngere Paare organisieren die Aufgaben im Alltag gleichberechtigter – aber auch hier besteht schon eine Schieflage zwischen den Geschlechtern. So geben unter den 18- bis 29-jährigen Liierten mit 49 Prozent etwas weniger, aber immer noch auffällig viele Frauen an, sich allein oder überwiegend um den Bereich Versorgung zu kümmern (Gesamt: 56 Prozent). Ähnlich ist es im Bereich Ordnung (Frauen u30: 57 Prozent, gesamt: 65 Prozent) und bei den Männern mit Blick auf handwerkliche Aufgaben (Männer u30: 58 Prozent, gesamt: 70 Prozent). In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen kippt das Verhältnis dann deutlich. Jetzt empfinden Frauen die Arbeit für Versorgung (60 Prozent), Ordnung (64 Prozent) und Soziales/Kinder (48 Prozent) ähnlich oder sogar stärker als im Gesamtdurchschnitt allein oder vorwiegend bei sich. Männern in den Dreißigern geht es ebenso im Bereich Finanzen (64 Prozent) und Handwerkliches (69 Prozent). Das spricht dafür, dass die Familiengründung ein entscheidender Faktor dafür ist, dass sich die Arbeitsteilung in Richtung alter Rollenbilder verschiebt. Noch stärker zeigt sich dieser Effekt mit Blick auf Liierte mit und ohne Kinder: Liierte Frauen mit Kind(ern) geben sehr viel häufiger an, in ihrer Beziehung überwiegend oder gänzlich für die Themen Versorgung, Ordnung und Soziales zuständig zu sein, als solche ohne Kind(er). Ein ähnliches Muster zeigt sich umgekehrt bei den vermeintlichen Männerthemen Finanzen und Handwerkliches.

Versorgung („ich allein“ und „überwiegend ich“ kumuliert): Frauen ohne Kind(er): 47,7 % – Frauen mit Kind(ern): 63,7 % – Männer ohne Kind(er): 28,0 % – Männer mit Kind(ern): 19,5 % – Ordnung („ich allein“ und „überwiegend ich“ kumuliert): Frauen ohne Kind(er): 57,0 % – Frauen mit Kind(ern): 72,4 % – Männer ohne Kind(er): 23,7 % – Männer mit Kind(ern): 13,3 %
Soziales („ich allein“ und „überwiegend ich“ kumuliert): Frauen ohne Kind(er): 26,1 % – Frauen mit Kind(ern): 55,0 % – Männer ohne Kind(er): 13,0 % – Männer mit Kind(ern): 10,5 % – Koordination („ich allein“ und „überwiegend ich“ kumuliert): Frauen ohne Kind(er): 33,0 % – Frauen mit Kind(ern): 39,6 % – Männer ohne Kind(er): 22,3 % – Männer mit Kind(ern): 20,0 % – Finanzen („ich allein“ und „überwiegend ich“ kumuliert): Frauen ohne Kind(er): 36,8 % – Frauen mit Kind(ern): 43,5 % – Männer ohne Kind(er): 52,8 % – Männer mit Kind(ern): 60,9 % – Handwerkliches („ich allein“ und „überwiegend ich“ kumuliert): Frauen ohne Kind(er): 12,6 % – Frauen mit Kind(ern): 10,8 % – Männer ohne Kind(er): 62,3 % – Männer mit Kind(ern): 76,9 % – 2.100 Liierte mit Kind(ern) und 1.924 Liierte ohne Kind(er), bevölkerungsrepräsentativ

Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner: „Es braucht eine tiefgreifende gesellschaftliche Akzeptanz gleichberechtigter Lebensformen“

„Selbst im Jahr 2021 sind wir von einem egalitären Geschlechterrollenverständnis und einer geschlechterunabhängigen Aufgabenteilung einiges entfernt“, kommentiert ElitePartner-Psychologin Lisa Fischbach die Ergebnisse. „Lebensereignisse wie die Familiengründung führen zu einer Retraditionalisierung und beeinflussen Partnerschaften nachhaltig. Damit sich das wirklich ändern kann, braucht es eine tiefgreifende gesellschaftliche Akzeptanz gleichberechtigter Lebensformen, eine individuelle Gestaltbarkeit von Familien- und Arbeitsleben und die Auflösung unterschiedlicher Bewertungen einzelner Aufgaben. Die abweichende Wahrnehmung des eigenen Engagements im Haushalt liegt in der persönlichen Bewertung begründet – für Männer sind Haushalt und Ordnung weniger rollenkonforme Aufgaben, die sie daher bewusster als Extra-Leistung empfinden und weniger als selbstverständlich.“

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